Zur Navigation springen Zum Inhalt springen

Historischer 7“-Zeiss-Refraktor

Technische Daten

HerstellerCarl Zeiss, Jena
Baujahr1911
TypFrauenhofer
Öffnung7 Zoll (175mm)
Brennweite2590 mm

                   

 

 

Vorgeschichte

Prof. Dr. Anton Staus

Ursprünglich stand in der Hauptkuppel der Sternwarte ein noch älteres Teleskop.

1890 erstand der Industrielle Villeroy (Villeroy&Boch) in Paris eine Objektivlinse  (Achromat, 8,8“=220mm Öffnung, 2820mm Brennweite) und baute sie in einen konischen Tubus aus Stahlblech ein.

1911 kauft Prof. Anton Staus das Fernrohr von Villeroys Sohn und stellt es 1922 der Sternwarte Stuttgart zur Verfügung.

Anton Kutter beobachtete damit 1924 die Marsoppossition und bemerkte das bessere Bild gegenüber einem formal gleichwertigen Spiegelteleskop. Diese Erkenntnis führte schließlich zu seiner Entwicklung des Schiefspieglers.

Während des 2. Weltkrieges war das Teleskop ausgelagert. Durch Brandeinwirkung wurden die meisten Teile des Teleskops zerstört oder stark beschädigt.

Der „Stauss-Refraktor“ kehrte nie wieder in die Hauptkuppel zurück, diente aber noch in umgebauten Zustand von 1971-1999 als Vorläufer zum 16"-Newton-Teleskop auf der Terrasse als Beobachtungsgerät.

Geschichte des Zeiss-Teleskops

Auguste Kessler

Das historische Zeiss-Teleskop wurde vermutlich (fast alle Unterlagen bei Zeiss gingen im 2. Weltkrieg verloren) um 1911 gefertigt.

Der Fabrikant Ernst Eisemann aus Korntal erwarb dieses Teleskop. Er hatte mehrere Patente. Insbesondere mit seinen Erfindungen zur Zündkerze die er auch in seiner eigenen Fabrik fertigte erlangte er einen gewissen Wohlstand. Für seine Villa in Korntal-Münchingen (dem ersten Haus mit elektrischer Beleuchtung am Ort) kaufte er sich das Zeiss-Teleskop. Als in den Weltkriegswirren seine Firma in Schwierigkeiten geriet, wurde sie schließlich in die Firma Bosch mit eingegliedert. Er selber arbeitete noch eine Zeitlang für Bosch weiter. Es ist anzunehmen, dass er hier weitere Personen für die Astronomie begeistern konnte. So baute z.B. 1934 der führende Bosch-Mitarbeiter Hermann Fellmeth die heutige Universitätssternwarte Pfaffenwald.

Im Jahr 1948 - Ernst Eisemann war schon länger verstorben - stellte seine Schwester Auguste Kessler aus Wasseralfingen sein Zeiss-Teleskop der Sternwarte Stuttgart zur Verfügung. Zum 30-jährigen Jubiläum der Sternwarte stiftete sie es 1952 dem Verein.

Der historische Zeiss-Refraktor mit einer Öffnung von 7 Zoll ist der Stolz der Sternwarte und wäre an sich schon einen Besuch auf der Uhlandshöhe wert.