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Bahn des Kometen Hale-Bopp C/1995 O1 durch die bekanntesten Sternbilder in den Monaten Januar bis April 1997.
Markiert ist jeweils die wöchentliche Mittwochsposition mit Angabe der Schweifrichtung. Darunter eine der letzten CCD-Aufnahmen vor Redaktionsschluß, entstanden am 5. Dezember 1996 im Fernrohr der Sternwarte Stuttgart.

Ausgabe 1/1997

Komet Hale-Bopp, ein eisiger Bote aus den Tiefen des Alls

Im Frühjahr 1997 erwarten wir, fast genau ein Jahr nach dem spektakulären Erscheinen des Kometen Hyakutake, einen weiteren hellen Schweifstern. Dieser wurde bereits am 23. Juli 1995 durch die beiden amerikanischen Amateurastronomen Alan Hale und Thomas Bopp entdeckt. Die offizielle Bezeichnung des Kometen lautet: C/l995 O1 (Hale-Bopp). Das »C« vor der Jahreszahl bedeutet, daß es sich um einen Kometen handelt, dessen Umlaufzeit um die Sonne größer als 200 Jahre ist. Die Bezeichnung 1995 O1 gibt den ungefähren Zeitpunkt der Entdeckung an. Jeder halbe Monat ist dabei mit einem eigenen Buchstaben fortlaufend im Alphabet versehen und die Zahl dahinter gibt an, die wievielte Kometenentdeckung es in diesem Halbmonatszeitraum ist.

Bald nach der Entdeckung von Hale-Bopp war aufgrund genauer Positionsmessungen klar, daß sich dieser Komet noch weit außerhalb der Jupiterbahn befand. Seine relativ große Helligkeit (11m) zu diesem Zeitpunkt läßt hoffen, daß dieser Schweifstern zur Zeit der größten Annäherung an Sonne und Erde eine ähnlich spektakuläre Erscheinung bieten wird, wie der Komet Hyakutake im Frühjahr 1996. Am 22. März wird Hale-Bopp in l96 Millionen Kilometer Abstand an der Erde vorbeiziehen und am 1. April seinen sonnennächsten Punkt mit 137 Millionen Kilometer Distanz zur Sonne durchlaufen. Dann wird er auch sein Helligkeitsmaximum erreichen. Prognosen von Kometenhelligkeiten sind jedoch schwierig und mit großen Unsicherheiten behaftet. So liegen die Voraussagen seiner Maximumshelligkeit zwischen Sirius und der helleren Sterne des Großen Himmelswagens. Es ist jedoch zu erwarten, daß Hale-Bopp während seiner gesamten Sichtbarkeitsdauer von Mitte Januar bis Ende Mai mit freiem Auge erkennbar sein wird.

Zu Beginn seiner Sichtbarkeitsperiode wird der Komet am Morgenhimmel relativ nahe des Ost- bis Nordosthorizonts zu sehen sein. Ab März tritt er dann auch am Abendhimmel im Nordwesten in Erscheinung. Seine größte Höhe über dem Horizont erreicht er Anfang März am Morgenhimmel und Anfang April am Abendhimmel. Dabei wandert er, ab Januar, vom Adler durch die Sternbilder Schwan und Eidechse zur Kassiopeia. Vom 10. März bis 10. April ist Hale-Bopp in unseren Breiten zirkumpolar, das heißt, er geht nicht mehr unter. Danach bewegt er sich durch Perseus und Stier in Richtung Beteigeuze im Orion. Bereits vor dem Vorbeigang an diesem hellen Stern wird er aber in den letzten Maitagen im Dunst des Westhorizontes für unsere Augen für immer verschwinden. Erst in ca. 2400 Jahren wird der auf einer langgestreckten Ellipsenbahn um die Sonne laufende Komet die inneren Gebiete des Sonnensystems wieder besuchen.

Kometen wurden früher als böses Omen gedeutet. Für Kriege, Hungersnöte, Seuchen und ähnliche Schrecken sollten sie verantwortlich sein. Der Grund lag in ihrem überraschenden, nicht vorhersagbarem Auftauchen, das nach Meinung der mittelalterlichen Astronomen die göttliche Ordnung des Himmels störte und nichts Gutes bedeuten konnte. Wie sehen wir heute diese damals als himmlische Zuchtruten interpretierten Himmelskörper?

Vor mehr als 4,5 Milliarden Jahren entstand unser Sonnensystem aus einer Wolke von interstellarem Staub und Gas. Wahrscheinlich durch die Schockwelle einer Supernovaexplosion und unter dem Sog der eigenen Gravitation ballte sich die Materie im Zentrum der Wolke immer stärker zusammen, bis Dichte und Temperatur so hoch waren, daß im Inneren dieses Zentralteils die Kernfusion von Wasserstoff einsetzte. Ein neuer Stern war geboren - unsere Sonne. Aber nicht alle Materie war in sie gefallen, kleinere Ringe aus Gas und Staub umkreisten das Zentralgestirn. Nach und nach kondensierten aus diesen Ringen feste Körper, die sich zu den uns bekannten Planeten verdichteten. Durch den Sonnenwind wurden im Laufe der Zeit die restlichen Gas- und Staubteilchen wie mit einem gigantischen Gebläse aus dem inneren Sonnensystem hinausgetrieben. Durch Zusammenstöße und Anlagerung von weiterem Material wuchsen diese Körper bis zu kilometergroßen »schmutzigen Schneebällen« heran, die in ihrer atomaren Zusammensetzung das ursprüngliche Gas- und Staubgemisch in unserem Sonnensystem quasi eingefroren haben.

Manchmal wird die Bahn eines solchen Körpers gestört, er verläßt seinen Platz weit entfernt vom Zentrum unseres Sonnensystems und begibt sich auf eine lange Reise in Richtung Sonne. Wenn der Kometenkern sich der Sonne so weit genähert hat, daß durch die Sonneneinstrahlung Material auf seiner Oberfläche verdampft und eine Atmosphäre bildet, können wir ihn an der Reflexion des Sonnenlichts erkennen. Die Kometenatmosphäre wird Koma genannt. Durch den Sonnenwind wird die Atmosphäre zu einem von der Sonne weggerichteten Schweif verformt.

Die Helligkeitsentwicklung hängt zum einen von der Entfernung ab, mit der der Komet Erde und Sonne passiert, und zum anderen von seiner Koma. Je mehr Wasserdampf, sonstige Gase und Staub aus seinem Inneren und seiner Oberfläche freigesetzt werden, desto größer ist der Durchmesser seiner Koma. Um Bilder vom Kometenkern zu bekommen, muß man mit einer Raumsonde die Kometenatmosphäre durchfliegen und sich dem Kern bis auf wenige hundert Kilometer nähern. Erstmals wurde dies 1986 durch die Raumsonde Giotto realisiert, und die Aufnahmen zeigten, daß der Kern des Halleyschen Kometen ein ellipsoider Körper mit den Maßen 15 x 8 x 8 km³ ist.

Bei jedem Durchgang um die Sonne verliert ein Komet einen Teil seiner Substanz, so daß er im Laufe der Zeit immer kleiner und leuchtschwächer wird. Im Zeitraum März bis Ende April wird der Komet Hale-Bopp, wenn es die Witterungsverhältnisse zulassen, bei jeder Sternführung im Fernrohr gezeigt.

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