Schwäbische Sternwarte e.V.
Führung/Termine
Der Verein
Geschichte
Infoblatt
Presse
Veröffentlichungen
CCD-Workshop
Intern
Sternwarte
Astronomie
Jahr der Astronomie
Home
Stichwort-Suche
Suche
Site-Map
Letzte Änderungen
English
Français
Druck-Ansicht
 

Infoblatt

Südlicher Zentralteil des Mondes

Ausgabe 1/1995

Die Beobachtung des Mondes

Bereits unsere Vorfahren vor Tausenden von Jahren haben den Mond beobachtet und dessen Umlaufzeit von 27 1/3 Tagen um die Erde registriert. Die Wiederholung seiner Phasen dauert allerdings 29 1/2 Tage (durch den Lauf des Erde-Mond-Systems um die Sonne). Mit bloßem Auge sind vor allem die Mondphasen gut zu beobachten. Bei Neumond steht der Mond zwischen der Erde und der Sonne, ist also normalerweise nicht zu sehen. (Ausnahme: eine Sonnenfinsternis - dann steht er direkt vor der Sonne und bedeckt diese). Gewöhnlich zwei Tage nach Neumond ist er am Abendhimmel im Westen erstmals wieder sichtbar.

Sieben Tage nach Neumond ist Erstes Viertel (zunehmender Halbmond). Wieder eine Woche später haben wir Vollmond usw. Ein weiteres Phänomen, das mit bloßem Auge sichtbar ist, ist das aschgraue Mondlicht. Dies ist der Erdschein auf der dunklen Mondnacht, am besten sichtbar bei schmaler Sichel. Weiterhin sind ohne optische Hilfsmittel bereits die dunklen Maria von den helleren Hochländern zu unterscheiden. Das bloße Auge kann auf dem Mond höchstens Details von 200 km Durchmesser erkennen. Bereits ein Fernglas mit zehnfacher Vergrößerung und 50 mm Objektivdurchmesser läßt Details bis ca. 20 km Ausdehnung erkennen. Darunter sind Dutzende von Kratern und Gebirgszügen, die vor allem bei zunehmender und abnehmender Phase gut zu erkennen sind. Bei Vollmond wird unser Trabant von steil auffallendem Sonnenlicht beleuchtet. Dann sind die Krater fast unsichtbar, weil hier kein Schattenwurf mehr zustande kommt. Allerdings sind bei Vollmond bei einigen Kratern helle Strahlensysteme zu sehen, die durch Auswurfsmaterial nach dem Einschlag eines kosmischen Himmelskörpers entstanden sind. So richtig interessant wird die Mondbeobachtung aber erst, wenn man durch ein Fernrohr blickt. Hier gilt: Je größer ein Fernrohr (d. h. je größer der Objektivdurchmesser ist), um so mehr Details zeigt das Teleskop. Zwei Beispiele: Ein Teleskop mit 80 mm Öffnung und 80facher Vergrößerung zeigt Details bis ca. 3 km Größe, bei 200 mm Öffnung und 200facher Vergrößerung sind Strukturen bis etwa einem Kilometer auflösbar. Die Mondbeobachtung mit einem Fernrohr kann über Jahre und sogar Jahrzehnte Spaß machen, ohne langweilig zu werden! Die Krater, Ringwälle, Gebirge, Schluchten und Rillen sind immer am Terminator am besten zu sehen. Der Terminator ist die Licht-Schattengrenze, also die Linie auf dem Mond, wo gerade Sonnenaufgang oder Untergang ist. Hier trifft das Sonnenlicht streifend auf die Oberfläche, Krater und Gebirge erzeugen lange Schatten und auch kleinste Erhebungen sind plastisch zu sehen. So gibt es z. B. kleine Krater oder auch Pillen die nur für ganz kurze Zeit zu sehen sind, eben dann, wenn sie richtig beleuchtet werden und sind am nächsten Abend nicht mehr auszumachen. So kann es vorkommen, daß der Beobachter manche Formationen erst nach Monaten wieder zu sehen bekommt, wenn eben die Beleuchtung wieder stimmt. Durch die gebundene Rotation des Mondes sehen wir nur immer seine »Vorderseite«.

Durch Librationseffekte (Schwankungen des Mondes) sieht allerdings ein Beobachter im Laufe der Zeit etwa 59% der Oberfläche. So sind manche Gebiete am Mondrand teilweise erst nach Monaten wieder sichtbar. Hat der Beobachter dann gerade schlechtes Wetter kann es unter Umständen schon mal Jahre dauern, bis er diese wieder zu Gesicht bekommt.

Den Mond beobachtet man am besten, wenn er hoch am Himmel steht. In Horizontnähe ist unsere Lufthülle, durch die wir hindurchschauen müssen, immer viel dunstiger und die Luft flimmert auch stärker als in größerer Höhe. Dadurch werden die Bilder im Okular des Fernrohres unscharf, kontrastarm und eben unbrauchbar. Da der Mond sich in der Nähe der Ekliptik bewegt und diese einmal ihre Bahn hoch am Himmel zieht, das andere Mal ganz flach zum Horizont verläuft, sind die einzelnen Phasen nicht das ganze Jahr immer gleich günstig zu sehen.

So verläuft die abendliche Ekliptik im Frühjahr steil zum Westhorizont, wobei der zunehmende Mond dann günstig zu sehen ist. Der abnehmende Mond ist im Frühjahr wieder recht ungünstig zu beobachten, weil die morgendliche Ekliptik dann flach über dem Horizont verläuft. Die Verhältnisse sind im Herbst dann genau umgekehrt. Wer sich näher mit der Beobachtung des Mondes auseinandersetzt, wird noch auf viele Dinge stoßen, die hier wegen Platzmangel nicht beschrieben werden können (da sind z. B. die wechselnden Schnittpunkte der Mond- mit der Erdbahn - die Knotenlinie, die unterschiedliche scheinbare Größe des Mondes bei Erdnähe und Erdferne, Sonnen- und Mondfinsternisse, die Zyklen dieser Finsternisse usw.). Interessenten können sich auf der Sternwarte nach geeigneter Literatur erkundigen.

Zurück zur Übersicht


© 1998-2014 Schwäbische Sternwarte e.V. Stuttgart
Alle Rechte vorbehalten - Impressum - Datenschutz - Kontaktadressen