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Entstehung einer Sonnenfinsternis

Ausgabe 2/1994

Sonnenfinsternisse: Dunkelheit am Tag

Seit jeher hat die Menschheit ihren Lebensrhythmus nach der Sonne gerichtet. Frühe Kulturen haben die Bahn der Sonne studiert, kleinste Veränderungen wurden registriert. Die Sonne wurde von manchen Völkern als Gottheit verehrt, Pyramiden und Sonnentempel wurden gebaut. Und wenn einmal die Sonne für wenige Augenblicke aufhörte zu scheinen, versetzte das die Bevölkerung in Furcht und Schrecken. Auch heute noch ist es ein beeindruckendes Ereignis, wenn unabhängig von Klima und Wetter, für wenige Minuten der Tag zur Nacht wird.

Bei einer Sonnenfinsternis wird für einen irdischen Beobachter die Sonne ganz oder teilweise durch den Mond verdeckt. Daß wir nicht monatlich eine Sonnenfinsternis beobachten können, liegt an der Neigung der Mondbahn gegen die scheinbare Sonnenbahn. Meistens läuft der Neumond bis zum zehnfachen seines Durchmessers nördlich oder südlich an der Sonnenscheibe vorbei.

Von der Erde aus gesehen sind die scheinbaren Durchmesser von Mond und Sonne zufälligerweise ungefähr gleich; die Spitze des Mondschattenkegels kann die Erdoberfläche also gerade erreichen. Die größten Durchmesserschwankungen zeigt der Mond: Durch die stark elliptische Mondbahn ist sein scheinbarer Durchmesser in Erdnähe 0,56°, in Erdferne aber nur 0,49°. Bei der Sonne bewegt sich dieser Wert zwischen 0,52° im Juli und 1,54° im Januar.

Grundsätzlich unterscheidet man darum drei Finsternistypen:

Eine totale Sonnenfinsternis tritt ein, wenn sich der Mond in Erdnähe befindet, somit größer erscheint als die Sonne und sein Schattenkegel die Erdoberfläche erreicht. Die Totalitätszone kann dabei eine Breite von bis zu 264 km erreichen; die maximale Dauer der Totalität beträgt dann 7 min 34 s. Beidseits der Totalitätszone, in jeweils zwei großen Gebieten von maximal 3400 km Breite, ist eine Teilverfinsterung zu sehen.
Eine ringförmige Sonnenfinsternis ergibt sich, wenn der Mond einen großen Erdabstand hat, somit kleiner erscheint als die Sonne und sein Schattenkegel die Erdoberfläche nicht erreicht. In Finsternismitte ist die dunkle Mondscheibe von einem hellen »Sonnenring« umgeben. Auch hier gibt es beiderseits der Zone der ringförmigen Verfinsterung große Gebiete, in denen die Finsternis nur partiell zu sehen ist.
Eine partielle Sonnenfinsternis liegt vor, wenn die Spitze des Schattenkegels die Erde nicht trifft und die Erdoberfläche nur vom Halbschatten des Mondes getroffen wird. In diesem Fall wird die Sonne für alle irdischen Beobachter nur zum Teil verfinstert.
Sonnenfinsternisse sind, weltweit gesehen, überhaupt keine seltenen Erscheinungen. In einem Kalenderjahr können vier, in seltenen Fällen (wie z. B. 1935 und 2206) sogar fünf Sonnenfinsternisse stattfinden. Es finden aber irgendwo auf dem Erdball mindestens zwei Finsternisse jährlich statt. Trotzdem liegt es fast genau ein Jahrzehnt zurück, seit am 30. Mai 1984 über unserem Gebiet eine Sonnenfinsternis wenigstens partiell zu sehen war. Sucht man nach der letzten totalen Finsternis, so muß man fast drei Jahrhunderte zurückgehen. In den Vormittagsstunden des 12. Mai 1706 herrschte in Süddeutschland, innerhalb eines 245 km breiten Streifens, bis zu vier Minuten die Dunkelheit. Die nächste totale Sonnenfinsternis steht praktisch vor der Tür: Am 11. August 1999 wird der Tag für 2 Minuten und 21 Sekunden zur Nacht.

Sonnenfinsternisse über unserem Gebiet:
(Zeitangaben in MEZ)

























DatumBeginnMitteEndeBed.
15. Februar19617:398:439:5294%
20. Mai19669:1810:2811:4347%
22. September196810:3711:3612:3524%
25. Februar19719:4210:4511:5047%
30. Juni197312:0512:2712:471%
24. Dezember197316:25  2%
11. Mai19756:207:148:1234%
29April197610:0011:2312:5142%
20Juli198220:06  4%
15. Dezember19828:229:2910:4529%
4. Dezember198313:1113:2413:37<1%
30. Mai198418:2019:1119:5936%
10.Mai199418:4019:37 42%
12Oktober199614:1515:3216:4251%
11.August199910:1211:3312:56100%
31Mai2003  5:2279%
3. Oktober20058:5310:0911:2852%
29. März200610:4111:4012:4032%
1. August20089:4810:3111:159%
4.Januar2011 9:1610:4169%
20. März20159:2810:3611:4873%
10. Juni202110:2811:2412:229%


Obwohl partielle Sonnenfinsternisse wissenschaftlich einen kleinen Raum einnehmen, sind sie ein reizvolles Naturschauspiel, das nicht nur für Sternfreunde interessant ist. Da die Finsternis vom 10. Mai 1994 in den Abendstunden stattfindet, gibt es, klaren Himmel vorausgesetzt, einen ungewöhnlich reizvollen Sonnenuntergang, der auch für Hobbyfotografen und Naturinteressierte ungeahnte Möglichkeiten bietet.

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