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Die Titelgrafik zeigt den offenen Sternhaufen der Plejaden, eingebettet in die interstellaren Gasmassen aus denen er entstanden ist.

Ausgabe 1/1992

Die offenen Sternhaufen

Keine andere Jahreszeit als der Winter ist so gut geeignet, die Sternbilder kennenzulernen. Der abendliche Winterhimmel ist besonders reich an hellen Sternen. Nach der früh einsetzenden Dunkelheit ist im Süden das auffällige Sternbild Orion zu sehen. Östlich davon steht in Horizontnähe Sirius, der hellste Fixstern. In Zenitnähe sind die Sternbilder Zwillinge und Fuhrmann zu sehen. Zwischen Fuhrmann und Orion befindet sich das Sternbild Stier. Dieses Sternbild beherbergt zwei der schönsten Himmelsobjekte, die wir beobachten können - die offenen Sternhaufen Plejaden und Hyaden.

Rechts des hellen, rotleuchtenden Aldebaran, dem Hauptstern des Stieres, ist bereits mit bloßem Auge eine lockere Ansammlung von Sternen zu sehen. Es handelt sich um den Sternhaufen der Plejaden. Dieser Sternhaufen trägt auch den Beinamen Siebengestirn, obwohl nur sechs oder bei guten Sichtbedingungen acht oder neun Sterne zu sehen sind. Niemals sind sieben Sterne zu sehen.

Die Plejaden sind nach Figuren aus der griechischen Sagenwelt benannt, sie tragen die Namen der Töchter des Atlas und der Plejone: Alcyone, Celaeno, Electra, Maia, Merope, Asterope und Taygete.

Auch in der Umgebung des Hauptsternes des Stieres, Aldebaran, scheinen die Sterne dichter gedrängt. Es handelt sich um den Sternhaufen der Hyaden. Hier stehen die Sterne aber nicht so dicht gedrängt wie bei den Plejaden, bilden jedoch eine merkbare Anhäufung.

Die Hyaden werden auch als Regengestirn bezeichnet, da die Zeit zwischen ihrem Verschwinden am Abendhimmel und dem Wiederauftauchen am Morgenhimmel in Griechenland mit der Regenzeit zusammenfiel.

Läßt man den Blick weiter nach Osten schweifen, so nimmt man bei guten Sichtbedingungen ein mattes Fleckchen, den Sternhaufen Praesepe im Sternbild Krebs wahr. Nimmt man aber ein Fernglas zur Hilfe, entfaltet sich die wahre Pracht dieses Sternhaufens. Das Lichtfleckchen löst sich in Dutzende einzelner Sterne auf. Besonders reizvoll für die Beobachtung mit einem Fernglas sind auch die Sternhaufen h und c im Sternbild Perseus.

Die Zahl der Sterne, die man in einem Sternhaufen erkennen kann, hängt von der Lichtstärke des verwendeten Beobachtungsinstruments ab. Insgesamt sind 450 offene Haufen bekannt, nach Schätzungen existieren im Milchstraßensystem bis zu 20000 solcher Objekte.

Die Sterne eines offenen Sternhaufens stehen nicht zufällig beieinander, sie nehmen ein gemeinsames Raumgebiet ein, sind gleich weit entfernt und auch gemeinsam entstanden. Natürlich gibt es auch Sterne die nur scheinbar in einem Sternhaufen stehen, also Vorder- oder Hintergrundsterne. Aldebaran, der im Gebiet der Hyaden steht, ist ein solches Beispiel. Aldebaran ist nur 70 Lichtjahre entfernt, während die Hyadensterne 150 Lichtjahre weit weg sind.

Die Beobachtung offener Sternhaufen ist wichtig für die astrophysikalische Forschung. Da die Sterne eines Haufens gemeinsam entstanden sind, besitzen sie eine ähnliche chemische Zusammensetzung, aber unterschiedliche Masse. Sterne unterschiedlicher Masse entwickeln sich aber verschieden schnell. In einem Sternhaufen können also Sterne in verschiedenen Entwicklungsstadien beobachtet werden.

Offene Sternhaufen sind astronomisch gesehen junge Objekte. Häufig sind ihre Sterne noch in den interstellaren Gas- und Staubmassen eingebettet, aus denen sie entstanden sind. So ist auf langbelichteten Photos des Plejadenhaufens noch der interstellare Gasnebel zu sehen, aus dem die Plejadensterne entstanden sind. Offene Sternhaufen gehören zu den schönsten Beobachtungspunkten für Sternfreunde. Sie werden bei jeder Führung durch den abendlichen Wintersternhimmel am Fernrohr der Schwäbischen Sternwarte auf der Uhlandshöhe eingestellt.


Die Grafik zeigt den Anblick des abendlichen Sternhimmels im Winter und Frühjahr 1992. Einige leicht beobachtbare offene Sternhaufen sind eingezeichnet.

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